Dic Unfallzahlen auf dem Bodensee sind leicht ansteigend, wobei die Zahl der Unfalltoden und Verletzten weiterhin konstant hoch ist. Zum Jahresbeginn hat der Leiter der Wasserschutzpolizeiinspektion (Wapo) Bodensee, Edwin Bauer, diese Bilanz aus dem Jahr 2004 gezogen. Bei 178 Unfällen auf dem See sind im letzten Jahr 13 Menschen ums Leben gekommen, 42 wurden dabei verletzt, sagte er in Friedrichshafen, während seine Kollegen aus der Schweiz und Österreich in ähnlicher Weise die Zahlen präsentierten.
Der erneut überdurchschnittlich warme Sommer 2004 mit hohen Wassertemperaturen, aber unvermindert niedrigem Wasserstand forderte vor allem unter den Badenden seinen Tribut: Acht Menschen ertranken, zwei Badegäste konnten verletzt geborgen und ärztlich behandelt werden. Dass der Tauchboom anhält und immer wieder Tode fordert, zeigt, dass drei Männer in der Tauchverbotszone am Teufelstisch vor dem Bodanrück sowie vor Meersburg und vorm Schweizer Unterseeufer ums Leben kamen. Vier verletzten sich beim Tauchen teils lebensgefährlich.
Doch auch beim Segeln und Mo-torboot-Fahren gab es Tote und Verletzte: Ein Mann stürzte im Sportboothafen Bregenz vom Boot ins Wasser und ertrank. Ein allein segelnder 69-Jähriger wurde vermutlich wegen einer Diabeteserkrankung vor Langenargen ohnmächtig, ging über Bord und könnte nach einer Suchaktion nur noch tot geborgen werden.
Unterlassene Hilfeleistung
Besonders dramatisch ist der Tod eines 14-jährigen Jungen aus England. Dieser wird auch noch ein gerichtliches Nachspiel haben: Der Schüler schwamm Anfang August mit seinem Freund vor der Uferpromenade von Friedrichshafen. Etwa 150 Meter vom Ufer entfernt, soll er über Atembeschwerden geklagt haben und sei im Wasser versunken, berichtete der Friedrichshafener Wa-po-Stationsleiter Heinz Unglert. Nachdem Rettungsversuche erfolglos blieben, bargen Polizeitaucher den leblosen Jungen gut 20 Minuten später aus 2,60 Meter Wassertiefe.
Der Notarzt belebte ihn zwar wieder, doch elf Tage später verstarb er in seiner Heimat.
Der Fall wird für einen Segler Konsequenzen haben, der trotz Zurufe der Passanten ohne zu helfen an dem Ertrinkenden vorbeifuhr. Die Wapo hatte den Skipper wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt. Der Slral-befehl des Schifffahrtsgerichtes am Amtsgericht Konstanz über 4.500 Euro wird von dem Betroffenen jedoch angefochten. Mit dem Fall soll sich demnächst das Oberschifffahrtsgericht am Oberlandesgericht Karlsruhe befassen müssen.
Auch zwei schwere Sommerstürme vor Friedrichshafen und Längen-argen sorgten für deutlich mehr Unfen allein neun Boote. Weil darunter eine 1,2 Millionen Euro teure Motoryacht war, verfünffachte sich die Gesamtschadenssumme aller Bodensccunfälle auf zwei Millionen Euro.
Der Leiter der Wapo-Inspektion, Edwin Bauer, sieht die mangelhafte Seemannschaft und damit verbunden schwindende Sorgfaltspflicht und Verantwortungsbewusstsein, aber auch Stürme als Hauptgründe für die steigenden Unfallzahlen mit "Tendenz nach oben".
Bei jährlich 6.000 neu erteilten Schifferpatenten für den Bodensee sei dies kein Wunder. Viele Skipper seien unerfahren und mit aufkommenden Stürmen überfordert. Viele würden auch nur für die Prüfung ausgebildet und nicht richtig segeln lernen. Anschließend fehle die Praxis. Hinzu komme, dass die Benutzung der einzelnen Boote zugenommen habe und viele zusätzlich verchartert würden, meinte Heinz Unglert. Doch bei 49.500 registrierten Segel- und Motorbooten passiere noch relativ wenig. Wichtig sei, dass man die Sicherheit auf dem Wasser durch die Praxis erlernen müsse, so Unglert. Jetzt will die Wapo dafür sorgen, dass die Prüfungsfragen zum Bodenseeschiffer -patent geändert werden und dort auch das Kapitel Seemannschaft aufgenommen wird. Überhaupt forderten Bauer und Unglert, dass die von den Hauptträgervereinen der IWGB, dem Bodensee-Seglcr-Verband und dem IBMV, gemeinsam 2004 ins Leben gerufene Aktion "Jahr der Seemannschaft" auch 2005 fortgeführt werden müsse. Die Verbände haben entsprechende Aktivitäten bereits bestätigt. Edwin Bauer: "Wir setzen auf Aufklärung und Bewusstseinsbildung!" Zudem müssten die Bootsführcr die elementaren Dinge, das Verhalten bei starkem Wind oder Sturm auf dem See, beherrschen.
Vor allem am baden-württembergischen Ufer nahmen die Unfallzahlen zu.
"Eine gute Seemannschaft heißt auch:
sich vorsehen"
Friedrichshafens Wapo-Stationsleiter
Heinz Unglert
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