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Ohne Wasser kein Wassersport.
Aber mit zuviel Wasser erst recht nicht. Diese leidvolle Erfahrung
machen derzeit die Bootsbesitzer am See. Seit an Pfingsten das
Jahrhunderthochwasser mit einem Pegelstand von 5,65 Metern die
Ufer des Bodensees überflutete, sind die Möglichkeiten
für die Sportschiffahrt stark eingeschränkt. Besonders
dramatisch zeigte sich die Situation in den zwei Wochen nach
Pfingsten: Die Stege und Aufenthaltsräume zahlreicher Clubs
rund um den See waren überflutet, Hafenmauern, die gewöhnlich
weit aus dem Wasser ragen, waren überschwemmt und hätten
bei einem möglichen Sturm keinen Schutz mehr geboten. Bei
soviel Wasser versagte auch die Elektrik: Sturmwarnleuchten und
Hafenkräne waren gleichermaßen außer Betrieb.
Wer trotzdem freien Zugang zu seinem Boot hatte, durfte auf dem
See nur mit Einschränkungen fahren: Der Seerhein und der
Hochrhein waren für Motorboote gesperrt, auf dem Obersee
kam noch die Gefahr durch Treibholz hinzu. Verschiedene Werften
am Untersee standen knietief unter Wasser.
Der (un)berechenbare See
(Pegelstand 5,65 m - Bild anklicken zum vergrössern)
Das ungewöhnlich frühe
und heftige Hochwasser ist ein treffendes Indiz für die
Unberechenbarkeit des Bodensees. Daß sein Wasserstand -
zumindest kurzfristig - doch auch berechenbar ist, soll im Anschluß
verdeutlicht werden.
Als nicht regulierbarer See hängt sein jeweiliger Pegelstand
einzig und allein vom Zu- und Abfluß ab.
Die Zuflüsse: Das gesamte Einzugsgebiet umfaßt die
zwanzigfache Fläche des Bodensees, mit dem Alpenrhein als
weitaus größtem Lieferanten, besonders während
der Schneeschmelze. Die große Unbekannte ist die jeweilige
Regenmenge. Wenn der Himmel sämtliche Schleusen öffnet,
können im Extremfall bis zu 4.700 m3/s dem See zufließen.
Abfluß: Die Abflußmenge des Hochrheins ist direkt
abhängig von der Höhe des jeweiligen Wasserstandes.
Die maximale Durchflußmenge in Schaffhausen liegt bei etwa
1250 m3/s, somit ein Bruchteil dessen, was dem See im ungünstigsten
Fall zufließen könnte. Die nebenstehende Grafik basiert
auf Werten, die freundlicherweise vom Kraftwerk Schaffhausen
zur Verfügung gestellt wurden. Eine Vorhersage über
die Entwicklung des Wasserstandes des Bodensees ist - angesichts
des gewaltigen Zuflußpotentials - nur über einen Zeithorizont
von ein bis zwei Tagen möglich, vorausgesetzt, es liegen
verläßliche Prognosen über die Regenmenge im
Einzugsgebiet vor. Dazu folgende Faustregel: Ein Überschuß
im Zufluß bzw. Abfluß von 60 m3/s bewirkt nach 24
Stunden ein Ansteigen bzw. Absinken des Seespiegels um einen
Zentimeter. Zieht man von der erwarteten Menge an Zuflüssen
die dem aktuellen Pegelstand entsprechende Abflußmenge
ab und teilt diese Differenz durch 60, erhält man die ungefähre
Anzahl Zentimeter, um die der Pegel in den kommenden 24 Stunden
steigt oder fällt.
Solche Rechnungen interessieren primär während einer
Hochwasserlage. Benötigt werden die Zuflußmengen und
der Pegelstand. Beide Werte können derzeit über Teletext
im Fernsehen abgefragt werden:
ORF-Text, Seite 618/2 Bodensee-Pegel, täglich 7.00 Uhr (Daten
des hydrographischen Dienstes Vorarlberg).
Internet: www.vorarlberg.at/ Landesregierung/lwba/lwba.htm
Südwest-Text, Seite 805 Hochwasser, Pegelstände Bodensee
und Rhein (Hochwasser-Vorhersage-Zentrale,mit stündlicher
Nachführung)
Südwest-Text, Seite 164, Bodenseewetter und Pegelstand.
Fazit: Bei sommerlicher Schneeschmelze führt der Alpenrhein
immer eine ansehnliche Grundlast an Wasser in den Bodensee. Ein
allfälliges Defizit zwischen Zufluß und Abfluß
ist demzufolge gering, das heißt der Wasserspiegel sinkt
in dieser Jahreszeit nur um wenige Zentimeter pro Tag.
Umgekehrt können großräumige, massive Regenfälle
die Zuflüsse so anschwellen lassen, daß der See in
einem einzigen Tag mehr als 30 Zentimeter steigen könnte.
Das Hochwasser erfordert von allen Wassersportlern angemessenes
Verhalten auf dem See.
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